
Susanne Schregels Buch: Wer entscheidet, wer „intelligent“ ist?
Susanne Schregels Buch : Wer entscheidet, wer „intelligent“ ist? Von David Kuchenbuch 08.05.2026, 17:20Lesezeit: 4 Min. Unterscheiden als Kollektiverlebnis: Günther Jauch veranschaulicht die Lösung einer Testfrage in...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Susanne Schregels Buch : Wer entscheidet, wer „intelligent“ ist? Von David Kuchenbuch 08. 2026, 17:20Lesezeit: 4 Min.
Unterscheiden als Kollektiverlebnis: Günther Jauch veranschaulicht die Lösung einer Testfrage in seiner Sendung „Der große IQ-Test“ (2001–2004). Picture AllianceKinder, Tiere, Maschinen: Seit 150 Jahren wird gestritten, was Intelligenz ausmacht. Die Historikerin Susanne Schregel zeigt, wie das Unterscheiden kognitiver Fähigkeiten zum Werkzeug der Ausgrenzung wurde.
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Die Geschichtswissenschaft, so war jüngst zu lesen, zähle zu den ersten akademischen Fächern, die durch die sogenannte Künstliche Intelligenz obsolet werden könnten. Umso ironischer, dass Historiker sich momentan viel mit der Geschichte der KI beschäftigen. Dabei zeigt sich, dass die Verheißung der Large Language Models mehr als eine Vorgängerin hatte.
Mitte der Achtzigerjahre hatten westdeutsche Informatiker sogar schon einmal von der Formulierung „künstliche Intelligenz“ Abstand genommen. Ihr haftete der Ruch des Unseriösen an. Dennoch brachten Computer die Kategorien des Denkerischen und Schöpferischen durcheinander: Worin unterschied sich menschliches Denkvermögen vom Rechnen der Maschinen?
Die Grenze zwischen Tier und Mensch wurde plötzlich umstritten„Intelligenz“ ist seit dem späten neunzehnten Jahrhundert ein Unterscheidungsproblem, das lernt man in Susanne Schregels preisgekrönter Kölner Habilitationsschrift, die nun im Campus-Verlag vorliegt. Hatte zuvor gewissermaßen das Intelligent Design die Dinge geregelt, warf die Evolutionstheorie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier über den Haufen. Susanne Schregel: „Intelligenz“CampusIn Großbritannien und Deutschland kam es zu Debatten über die Frage, ob man es bei kognitiven Leistungen verschiedener Spezies mit Wesens- oder graduellen Unterschieden zu tun hatte.
Was Experten sagen
Nicht nur Naturwissenschaftler, auch Zeitungsleserinnen diskutierten mit, wie Leserbriefe zu Beobachtungen an den eigenen Haustieren zeigen. Mit dem Interesse an den unbefestigten Rändern des Denkens wuchs auch das an Intelligenzunterschieden zwischen Europäern und „Wilden“ – und vor allem: zwischen Kindern. Deren Selektion im Bildungssystem bildete fortan die Hauptarena von intelligenzbezogenen Unterscheidungspraktiken, -regeln und -lehren – womit erstens Verfahren der Feststellung von Intelligenzunterschieden gemeint sind, zweitens die Kategorienbildungen, auf deren Grundlage diese Unterscheidungen erfolgen sollten, und drittens die Kommunikation über selbige.
Im frühen zwanzigsten Jahrhundert wuchs unter dem Einfluss von Psychologie und Pädagogik die Bedeutung messender Verfahren wie des Binet-Simon-Tests. Es etablierte sich die Vorstellung eines Intelligenzalters, an dem sich Abweichungen festmachen ließen. Parallel warben Titel wie „Wollen Sie Zeppelinführer werden?
“ oder „Measure your Mind“ für Intelligenz-Selbsttests. Der amerikanische Self-Improvement-Markt lieferte die Vorlagen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





