
Ungarns neue Regierung: Magyar und die Versuchung der Macht
Ungarns neue Regierung : Magyar und die Versuchung der Macht Ein Kommentar von Alexander Haneke, Wien 09.05.2026, 14:15Lesezeit: 4 Min. Péter Magyar auf einer Pressekonferenz am 17. April 2026APUngarns künftiger...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Ungarns neue Regierung : Magyar und die Versuchung der Macht Ein Kommentar von Alexander Haneke, Wien 09. 2026, 14:15Lesezeit: 4 Min. Péter Magyar auf einer Pressekonferenz am 17.
April 2026APUngarns künftiger Regierungschef will Rechtsstaat und Demokratie wieder aufrichten. Aber das Land braucht keine einseitigen Lösungen, sondern starke Institutionen. Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App An diesem Wochenende werden Zehntausende auf Budapests Straßen tanzen.
Die Einzelheiten
Nach seinem Erdrutschsieg bei der ungarischen Parlamentswahl hat Péter Magyar die Konstituierung des neuen Parlaments zum Volksfest erklärt. Die Ungarn haben allen Grund zu feiern. Ihre Demokratie hat 16 Jahre fast unbegrenzter Herrschaft von Viktor Orbáns Fidesz überstanden und jenes alte Wunder vollbracht, dass die Regierungsgewalt von einem auf den anderen Moment friedlich an ein anderes Lager übergeben wird.
Und das allein, weil es das Volk so will. Magyar ist Populist genug, dieses Ereignis nach allen Regeln der Kunst in Szene zu setzen. Er nutzt die Wucht des Umschwungs, um die letzten Bastionen des Fidesz zu schleifen.
Magyar hat fast uneingeschränkte MöglichkeitenNoch in der Wahlnacht forderte er den Präsidenten und zahlreiche Führungsfiguren der höchsten Institutionen zum Rücktritt auf, obwohl Orbán sie eigentlich mit langen Amtszeiten abgesichert hatte. Unerbittlich wiederholt Magyar sein Credo, dass die alte Macht jede Legitimation verloren habe. Sollten sie nicht freiwillig weichen, so lautet die unverhohlene Drohung, werde Magyars Tisza-Partei ihre Zweidrittelmehrheit nutzen, um Orbáns Leute aus ihren Ämtern zu fegen.
Was Experten sagen
Auf Magyars Schultern lastet eine große Verantwortung. Er kann Staat und Verfassung von Grund auf neu gestalten. Denn die Macht der Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament kennt bislang keine Schranken.
Seine Beteuerungen, dass er Ungarns Rechtsstaat und Demokratie wieder auf ein solides Fundament stellen will, sind glaubhaft. Er hat nur zu gut beobachten können, wie Orbáns Fidesz, seine eigene politische Heimat, von der Macht zum Missbrauch verführt wurde, weil ihr kein Korrektiv gegenüberstand. Oder erliegt Magyar derselben Versuchung, der auch Orbán erlag?
Ein Grundproblem in Ungarns politischer Ordnung liegt im Wahlrecht. Tatsächlich muss Magyar hier Veränderungen vornehmen, schon allein, um die Wahlkreise wieder gerechter zuzuschneiden. Der starke Mehrheitsfaktor hat dazu geführt, dass schon zum fünften Mal in Folge der Wahlsieger mit nur rund 50 Prozent der Stimmen zwei Drittel der Sitze erhält – zum Vorteil Orbáns, zum Vorteil aber auch Magyars.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





