
Urbane Landwirtschaft: Gemüse vom Dach – ein Drittel von Europas Bedarf ließe sich decken
Urbane Landwirtschaft : Gemüse vom Dach – ein Drittel von Europas Bedarf ließe sich decken Von Anne Kokenbrink 11.05.2026, 21:15Lesezeit: 3 Min. Kristof Grina, Mitbegründer und Geschäftsführer von Up Top Acres, arbeitet...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Urbane Landwirtschaft : Gemüse vom Dach – ein Drittel von Europas Bedarf ließe sich decken Von Anne Kokenbrink 11. 2026, 21:15Lesezeit: 3 Min. Kristof Grina, Mitbegründer und Geschäftsführer von Up Top Acres, arbeitet bei Sonnenaufgang auf einer der Dachfarmen des Unternehmens in Navy Yard.
dpaForscher beziffern das Potential der urbanen Landwirtschaft in Europa auf bis zu knapp 30 Prozent des gesamten Gemüsebedarfs. Doch die Umsetzung hat viele Haken – und erste Start-ups sind bereits insolvent. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Ackerflächen werden in aller Welt knapp, die Bevölkerung wächst, die Lieferketten sind störanfällig.
Die Einzelheiten
In dieser Lage gewinnt ein Gedanke an Bedeutung: Nahrungsmittel dort erzeugen, wo die meisten Menschen sie verzehren, in der Stadt. Wie sich in Europa ungenutzte Dächer, Brachen, Parks, Hinterhöfe und Gewerbeflächen für die Gemüseproduktion nutzen ließen, haben Forscher aus Deutschland und den Niederlanden untersucht. Ihr Ergebnis: Knapp 30 Prozent des Gemüsebedarfs von 190 Millionen Europäern ließen sich theoretisch durch urbane Landwirtschaft decken.
Die Studie ist im Fachmagazin „Sustainable Cities and Society“ erschienen. Die Forscher zogen demographische Statistiken, Geo- und Klimadaten heran und bewerteten für das Jahr 2018, wie viele Dach- und Bodenflächen in einem Teil Europas geeignet wären, konkret in 840 Städten in 30 europäischen Ländern. Berücksichtigt wurden ausschließlich Stadt- und Dachflächen, die sich für den einfachen Gemüseanbau im Freiland eignen.
Moderne, technologisierte Systeme wie Hydrokultur oder vertikale Landwirtschaft wurden nicht eingerechnet. Demnach wären insgesamt 4551 bis 7586 Quadratkilometer für den Gemüseanbau geeignet. Das entspricht 2,9 bis 4,9 Prozent der untersuchten Stadtflächen.
Was Experten sagen
Daraus leiten die Autoren ein jährliches Produktionspotential von 11,8 bis 19,8 Millionen Tonnen Gemüse ab. Grob entspricht das etwa einem Drittel der in den untersuchten Ländern gemeldeten Gemüseproduktion. Viele Fragen in der praktischen UmsetzungEin zentraler Befund ist die unterschiedliche räumliche Verteilung der Anbaupotentiale.
In dichten Innenstadtquartieren ist die Nachfrage nach Gemüse hoch, die verfügbare Fläche aber knapp. In Außenbezirken und in kleineren Städten gibt es mehr freie Flächen, dort ist die Nachfrage geringer. Entsprechend schwanken die theoretischen Selbstversorgungsgrade für Gemüse stark, von sehr niedrigen Werten in verdichteten Bezirken bis zu rechnerischen Überschüssen in kleineren, flächenstarken Städten.
Die Autoren betonen zudem die Grenzen ihrer Berechnungen. Die praktische Umsetzbarkeit haben sie nicht modelliert. Ob ein Dach statisch geeignet und gut zugänglich ist, ob Versicherungen mitspielen, ob Brandschutz oder Eigentumsverhältnisse den Anbau verhindern, ob Bewässerung möglich ist oder ob die Fläche am Ende für Photovoltaik, Technikaufbauten oder andere Nutzungen benötigt wird, bleibt offen.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





