
Wie im antiken Athen: Sollte der Staat seine Bürger für politisches Engagement bezahlen?
Wie im antiken Athen : Sollte der Staat seine Bürger für politisches Engagement bezahlen? Von Jannis Koltermann 19.05.2026, 10:53Lesezeit: 4 Min. Eine lebendigere Demokratie? „Perikles hält die Leichenrede“, Gemälde von...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Wie im antiken Athen : Sollte der Staat seine Bürger für politisches Engagement bezahlen? Von Jannis Koltermann 19. 2026, 10:53Lesezeit: 4 Min.
Eine lebendigere Demokratie? „Perikles hält die Leichenrede“, Gemälde von Philipp von Foltz (1852)Wikimedia Commons/Private CollectionIm antiken Athen bezahlte der Staat einfache Bürger, wenn sie sich politisch engagierten. Ein Vortrag von Tabea Meurer im Historischen Kolleg in München regt zu der Frage an: Könnte das auch unsere Demokratie beleben?
Die Einzelheiten
Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Fragt man die Deutschen, warum sie sich nicht stärker ehrenamtlich engagieren, antworten zwei Drittel der nicht Engagierten: keine Zeit. Nichts als ein Vorwand, könnte man meinen. Doch andere Studien belegen, dass sich tatsächlich vor allem diejenigen engagieren, die keine kleinen Kinder versorgen müssen, die nicht in Vollzeit arbeiten oder die zumindest ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können.
Von einer „Zeitelite“ aus Rentnern, Teilzeiterwerbstätigen und Selbständigen spricht die Heinrich-Böll-Stiftung mit Blick auf die beruflichen Hintergründe von Kommunalpolitikern. Welche Folgen hat es für eine Demokratie, wenn die zeitlichen Ressourcen ihrer Bürger so ungleich verteilt sind? Und was kann die Politik womöglich dagegen tun?
In München lud die Althistorikerin Tabea Meurer nun dazu ein, diese seit einigen Jahren verstärkt diskutierten Fragen in den Anfängen der westlichen Geschichte zu spiegeln. Am Historischen Kolleg, wo Meurer ein Jahr als Fellow verbringt, stellte sie Teilergebnisse ihres Habilitationsvorhabens zu „Zeit und Politik im demokratischen Athen“ vor. Als ob Müßiggang jedermanns Sache hätte sein könnenDie zeitliche Ungleichheit war im Athen des fünften und vierten Jahrhunderts vor Christus ebenso groß wie die ökonomische.
Was Experten sagen
Während wenige Wohlhabende sich ganz dem von Philosophen gepriesenen Müßiggang hingeben konnten, mussten die meisten Bürger einen Großteil ihres Lebens der Erwerbsarbeit widmen, von den politisch rechtlosen Frauen und Sklaven ganz zu schweigen. Debatten um eine „Vierzigstunden-“ oder gar eine „Viertagewoche“, Debatten also um die Regulierung der Arbeitszeit, kamen damals gleichwohl nicht auf. Das Verständnis von einer politischen Steuerbarkeit der Wirtschaft war schließlich nur rudimentär ausgeprägt, und in private Arbeitsbeziehungen wollte ohnehin niemand eingreifen.
Sollte den Republikanern Sold gezahlt werden, damit die Republik marschieren kann? Die Ruinen der Agora von Athen, in denen der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis am 24. April 2026 ein öffentliches Gespräch führten, stammen überwiegend aus römischer Zeit.
ImagoDie politischen Folgen dieser zeitlichen Ungleichgewichte beschäftigten die Zeitgenossen jedoch sehr wohl, wie Meurer zeigte. Denn die athenische Demokratie beruhte nicht nur auf dem Grundsatz der Gleichheit aller Bürger.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





