
Romanbiograph Scurati: „Mussolini war der Erste, der die Gleichung aufstellte: Ich bin das Volk“
Romanbiograph Scurati : „Mussolini war der Erste, der die Gleichung aufstellte: Ich bin das Volk“ Von Karen Krüger, Mailand 20.05.2026, 16:30Lesezeit: 8 Min. Adolf Hitler (l) und der italienische Duce Benito Mussolini...
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Wichtige Entwicklungen prägen das Weltgeschehen. Romanbiograph Scurati : „Mussolini war der Erste, der die Gleichung aufstellte: Ich bin das Volk“ Von Karen Krüger, Mailand 20. 2026, 16:30Lesezeit: 8 Min. Adolf Hitler (l) und der italienische Duce Benito Mussolini (r) fahren in einem offenen Wagen durch Florenz während des Italien-Besuchs des deutschen Führers 3.
dpaAntonio Scuratis „M“ erzählt Mussolinis Geschichte aus der Sicht Mussolinis. Warum ihn die Hälfte der Italiener deswegen hasst und was die heutigen Demokratiefeinde von damals unterscheidet, erzählt der Autor im Gespräch. Zusammenfassung Anhören Merken Teilen Verschenken Drucken Zur App Antonio Scurati, geboren 1969 in Neapel, wuchs in Venedig auf und studierte in Mailand, wo er heute Vergleichende Literaturwissenschaft lehrt.
Die Einzelheiten
2018 erschien in Italien der erste Band seiner fünfteiligen Romanserie „M“, mit der Scurati das Leben von Benito Mussolini aus seiner Sicht dokumentiert. Zwei Jahre später kam dieser Band als „M – Der Sohn des Jahrhunderts“ auch auf Deutsch bei Klett-Cotta heraus. Danach folgten vier weitere Bände; mit dem letzten, „M – Das Ende und der Anfang“, der jetzt gerade auch auf Deutsch erschienen ist, endet eines der ambitioniertesten literarischen Experimente der Gegenwart.
Es hat seinem Autor im eigenen Land harsche Kritik eingebracht, vor allem seit die Rechtspolitikerin Giorgia Meloni Ministerpräsidentin wurde. Der offiziellen Delegation Italiens beim Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2024 gehörte Scurati deshalb nicht an, in die staatlich gelenkten Medien wie den Fernsehsender RAI wird er nicht eingeladen. Trotzdem belegte jeder der einzelnen Bände von „M“ Spitzenpositionen auf den italienischen Bestsellerlisten, und das Projekt löste im Land eine umfassende Diskussion über die Bewältigung des Faschismus und dessen Kontinuitäten bis heute aus.
Herr Scurati, „M“ ist ein Monumentalwerk in fünf Romanen, dreitausend Seiten, deren Erzählung eine Zeitspanne von einem Vierteljahrhundert umfasst und das toxische Gemisch aus Gewalt und Verführung, aus Verblendung und Mythos einfängt, das in Italien prägend für die Zeit von 1919 bis 1945 war. Wie war es, endlich den letzten Band in den Händen zu halten? Ein Gefühl von Leere oder eher Erleichterung?
Was Experten sagen
Ich hatte Leere befürchtet. Aber von meinen Schultern fiel eine große Last ab. Nicht nur wegen der Anstrengung des Schreibens und der jahrelangen Recherche, sondern auch wegen der großen gesellschaftlichen Wirkung, die „M“ entfaltet hat.
Der erste Band setzte erstmals eine intensive öffentliche Auseinandersetzung mit dem Faschismus in Gang. Deshalb sehen viele Italiener in „M“ und in mir ein Symbol des Kampfes für demokratische Werte. Manchmal wird mir auf der Straße von Unbekannten gedankt.
Aber wegen der starken Polarisierung der italienischen Gesellschaft und dieser Verrohung des öffentlichen Diskurses, der keine politischen Gegner, sondern nur noch Feinde kennt, sieht ein Teil der Bevölkerung mich als Feind.
Die Entwicklung hat international große Aufmerksamkeit erregt; diplomatische Kreise verfolgen sie genau.





